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|   von Julia Burkhart | |
| Freitag, 3. September 2010 | |
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/Bild: Juri Chegai . 'Dieser Kuss symbolisiert für Juri Chegai „Freude“. Dritter Platz beim ZAM-Fotowettbewerb „Mein schönstes deutsches Wort“.'/
Montag: Kabelsalat. Erste Annäherung Wer sind diese jungen Menschen? Warum sind sie hier? Die deutschen Teilnehmer, erfahrene Jungjournalisten, sind gespannt auf Kasachstan und die zentralasiatischen Teilnehmer. Florian besucht zurzeit in München die Deutsche Journalistenschule und arbeitet nebenher als freier Journalist für Zeitung und Radio. Seine wichtigsten Ziele: „Kasachstan kennenlernen. Erfahrungen austauschen.“ Auch Cornelius besuchte die Münchner Journalistenschule, macht jetzt einen Journalismus-Master und arbeitet nebenher als freier Autor. Er freut sich vor allem darauf, die Teilnehmer der Medienwerkstatt kennenzulernen. Physik, Philologie... und Journalismus Die zentralasiatischen Teilnehmer sind noch ein bisschen „grün“, was journalistisches Arbeiten betrifft. Juri aus Samarkand ist Philologe und hat „fast nichts“ mit Journalismus zu tun. Er ist zum ersten Mal in Almaty und möchte die Länder vergleichen. Die jüngste Teilnehmerin ist gerade siebzehn Jahre alt – Gulden aus Astana möchte nach dem Abitur Kulturwissenschaften studieren und in dieser Woche in Almaty vor allem: „Neues erfahren. Menschen kennenlernen.“ Nasiba aus Usbekistan studiert an der Weltsprachenuniversität in Taschkent Journalistik und erzählt, sie habe bisher nur vom usbekischen Journalismus gehört, jetzt möchte sie europäischen beziehungsweise deutschen Journalismus kennenlernen. Denis aus Karaganda ist eigentlich Physiker und arbeitet als Administrator eines Internetshops. Er will mehr erfahren über Fotografie und Online-Journalismus. Fotografie ist mehr als knipsen
Fotografie bildet neben dem Online-Journalismus den zweiten Schwerpunkt der IV. Zentralasiatischen Medienwerkstatt, die vom Goethe-Institut Kasachstan und dem Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) im Rahmen von „Deutschland in Kasachstan 2010“ veranstaltet wird. Die Teilnehmer der Medienwerkstatt werden in dieser Woche nicht nur lernen, wie man Artikel für das Internet schreibt. Gleichzeitig wird Ines Thomsen, freie Fotografin aus Berlin, erklären, wie man professionell fotografiert. Die erste Aufgabe, die Seminarleiter Mathis Winkler von der Deutschen Welle den Teilnehmern an diesem Tag stellt, lautet jedoch zunächst, die Besonderheiten der einzelnen Medien herauszuarbeiten. Was ist das Besondere an einer Zeitung im Vergleich zum Radio? Wodurch unterscheidet sich das Fernsehen vom Internet? Mit Plakaten und Buntstiften bewaffnet, machen sich die Teilnehmer in gemischten Gruppen an die Arbeit.
Dienstag: Erste Ergebnisse, erste Kritik. Wenn möglich, ohne Blitz! Auch Gulden aus Astana hat eine junge Frau fotografiert. Auf dem Foto steht diese vor einem Schrank und betet. Gulden erzählt, dass die junge Frau sich selbst für den Glauben entschieden hat, und welche Bedeutung er in ihrem Leben einnimmt. „Das sieht man auch auf dem Foto“, lobt Ines Thomsen. Dagegen stimmt die Schärfe nicht, sie liegt nicht auf der Person, sondern auf dem Schrank hinter ihr. Heute noch nicht so schlimm – die technische Einweisung kommt erst, nachdem alle Porträts besprochen wurden. Die Fotografin aus Berlin erklärt Begriffe wie Belichtungszeit, Weißabgleich, Lichtempfindlichkeit, und wird vor allem nicht müde zu betonen, warum man immer versuchen sollte, ohne Blitz zu fotografieren: „Der Blitz macht Bilder flach! Natürliches Licht schafft Mehrdimensionalität!“ Foto-Wettbewerb Nach der Theoriestrecke bekommen die Teilnehmer ihre zweite Foto-Aufgabe: Fotografiert das „schönste deutsche Wort“. Sie schreibt Vorschläge an die Tafel: Gerechtigkeit. Wohlstand. Zufriedenheit. „Wollust!“ wirft Juri in die Runde. Alle lachen. „Ihr sucht euch ein Wort, schreibt einen Text dazu und sucht euch das passende Fotomotiv,“ erklärt Ines Thomsen, „ganz wichtig dabei – macht das, wozu ihr Lust habt.“ Das beste Foto soll am Freitag prämiert werden. Es ist wieder spät geworden an diesem Nachmittag. Manche gehen nach dem Theorie-Marathon erst mal auf den Grünen Basar, andere legen gleich los, grübeln, wägen Vorschläge gegeneinander ab, blättern im Wörterbuch. Die Suche nach dem perfekten Motiv Aischan würde gerne was Schönes fotografieren, hat aber Angst, es könnte zu einfach sein. Nargisa sucht etwas Emotionales, Positives und entscheidet sich für das seltene Wort „Abbitte“. Gulden hat erst gar keine Idee. Sie entscheidet sich nach langen Überlegungen für „Friedfertigkeit“, Aischan wählt „Wasser“. Aber wo ist das perfekte Motiv für diese Wörter? Während Aischan kunstvoll ein Wasserglas inszeniert, findet Gulden „Friedfertigkeit“ in einer ethnisch gemischten Familie. In ihrem Text schreibt sie: „Kasachstan ist ein multikulturelles Land. Es ist ein bisschen kompliziert, weil alle Menschen eine andere Weltanschauung, eine andere Mentalität haben. Friedfertigkeit soll aussagen, wie die Leute in Kasachstan leben. Bei uns gibt es Völkerverständigung.“
Mittwoch: Ein Kuss und Freiheit. Es wird ernst – die Recherche Nach dem Fotografieren wird es noch „ernster“ für die Nachwuchsjournalisten – die große Aufgabe in dieser Woche besteht darin, spannende Geschichten zu finden, selbstständig zu recherchieren und eigene Texte zu schreiben. Mathis Winkler erklärt, wie die Plattform Wordpress funktioniert, mit der Texte und Fotos Online publiziert werden können.
Donnerstag: Geschichten finden.
Freitag: Endergebnisse. „Auseinanderpflücken“. Das schönste deutsche Wort in Almaty Zum Schluss gibt es Urkunden für jeden Teilnehmer und Bücher für die drei Gewinner des Fotowettbewerbs. Den ersten Preis gewinnt Denis Kamenew aus Karaganda mit seinem Foto „Funkeln“, auf dem in dunkler Nacht Lampen in Sternform leuchten. Im dazugehörenden Text schreibt er: „Die warme Nacht, Musik, Lächeln und funkelnde bunte Sterne – so können die Abende in Almaty sein.“ Wer im Rahmen der Medienwerkstatt Spaß am Fotografieren und Schreiben gefunden hat, kann auch in Zukunft als Autor für die Deutsche Allgemeinen Zeitung (DAZ) tätig werden. Das ist der Abschluss einer Woche, in der fünfzehn junge Menschen aus Deutschland und Zentralasien zusammengearbeitet, viel über einander und voneinander gelernt haben. Und dazu noch neue Freunde gefunden haben – am Tag darauf schreibt Malika auf ihrer Facebook-Seite: „Freunde von ZAM, ich vermisse euch schon!“ |